Margot Käßmann ist gestern von Ihrem Amt als Ratsvorsitzende der EKD zurückgetreten.
Der Rücktritt erfolgte als Konsequenz auf einen Vorfall am vergangen Samstag, bei dem die Pastorin eine Spritztour mit 1,54 Promille Blutalkohol unternahm. Schlimmeres als das Überfahren einer roten Ampel geschah nicht, doch der daraus erwachsene Skandal macht einige Dinge sehr deutlich.
Der Klerus begibt sich selbst in eine Position die mit moralischer Überlegenheit argumentiert. Wer das Wort Gottes auf seiner Seite wähnt hat der Gemeinde ein Vorbild zu sein. Doch Pfaffen sind auch nur Menschen, und die Illusion eines Übervaters oder sogar besonderer Nähe zu ihm schützt in keiner Weise vor Verfehlungen.
In Gesprächen mit Mitgliedern der EKD habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese ihre Kirche gerne in einer überlegenen Position ihren katholischen Brüdern und Schwestern gegenüber sehen. “Schaut her! Bei uns werden keine Kinder missbraucht…” Richtig, bisher ist kein Fall bekannt. Doch Frau Käßmann demonstriert sehr schon, dass keine Kirche in der Lage ist Personal zu finden das göttlichen Ansprüchen genügt.
Bei aller Schadenfreude bin ich allerdings beeindruckt von Frau Käßmanns Selbsteinschätzung. Aus ihrer Rücktrittserklärung:
Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so wie ich sie hatte.
Glückwunsch zu dieser realistischen Einschätzung und einer angemessenen Reaktion.
Bildquelle: Wikipedia
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